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Startseite Botschaften Osterbotschaften S.E. Erzbischof Mark an die gottesfürchtigen Gläubigen der Deutschen Diözese

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der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland

Osterbotschaften S.E. Erzbischof Mark an die gottesfürchtigen Gläubigen der Deutschen Diözese

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Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2015

„Dies ist der Tag, den der Herr geschaffen hat,
lasset uns frohlocken und fröhlich sein!
Pas’cha das Schöne, Pas’cha, des Herrn Pas’cha,
Pas’cha, das hochhehre ist uns aufgegangen.
Pas’cha, umarmen wir einander in Freude.
Oh, Pas’cha, du Erlösung von der Trauer!“


In Freude frohlockt die Kirche. Christus – Treue, Christus – Wahrheit, Christus – Schönheit, Christus – unser Pas’cha: „das Schöne Pas’cha…“. Wird es denn schön für alle in diesem Jahr? Durch Gottes Barmherzigkeit werden viele von uns, die wir eifrig gefastet und uns um das Gebet gemüht haben, die aus reinem Herzen Buße getan haben – darauf hoffen können.

Und wie werden die Millionen orthodoxer Christen im Nahen Osten oder in der leidgeprüften Ukraine das Osterfest, Pas’cha feiern? Wie viele Flüchtlinge harren in Lagern, wie viele retten ihr Leben in der Emigration, beweinen ihre Verwandten und Freunde, oder sind von ihnen getrennt, haben ihre Häuser verloren, entbehren der Grundlagen ihrer Existenz, haben die Schrecken menschlicher und teuflischer Grausamkeit erlebt…

Unsere Erfahrung lehrt uns, dass wenn die Kirche uns nahe ist, der Gottesdienst, das Gebet, dann wird auch wenn zwei oder drei im Namen des Heilands versammelt sind, dieses Pas’cha – das Fest der Feste – für euch das Schöne sein. Das besagt die Erfahrung unserer Väter, die in den schwierigsten Umständen des Krieges und der Nachkriegszeit Kirchen errichteten. Sie ließen Kirchen buchstäblich aus dem Nichts entstehen, in Baracken, Kellern, stellten liturgische Geräte aus Blech her, schrieben die Texte von Hand und aus dem Gedächtnis. So mühten sie sich um der Buße und des Gebets willen, um zu den heilbringenden Mysterien des Leibes und Blutes Christi hinzutreten, an dem Auferstandenen, dem Erretter-Christus teilzuhaben.

Wie aber wird das Osterfest für viele und aberviele aussehen, die wohl getauft, aber nur dem Namen nach orthodoxe Christen sind, die nicht etwa durch fremdes, sondern durch eigenes Verschulden der geistlichen Zuflucht des Trostes beraubt sind, die ihrem eigenen Vaterhaus – der Kirche, fremd gegenüber stehen, die weder das Gefühl haben, wie wertvoll und wie notwendig das Gebet ist, noch den Sinn der Reue und des Fastens erkennen? Wie oft begegnen wir Geistlichen solchen Menschen, denen die Sorge um die tiefe Reinigung des Herzens, um die Errettung, unverständlich scheint, die niemals oder nur vor sehr langer Zeit gebeichtet haben? Der Same, der vom Heiland im Mysterium der Taufe gesät wurde, – jener Same, der dazu berufen war, in der Gemeinschaft mit Christus zu wachsen, wurde entweder gestohlen (der Herr Selbst erklärt im Gleichnis vom Sämann: vom Widersacher – dem Teufel), oder er ist vertrocknet, ohne in Geduld Wurzeln geschlagen zu haben, oder er wurde durch die Dornen erstickt – den Hunger nach äußerem Wohlstand, in dem es Gott nicht gibt und nicht geben wird, wie bei dem im Gleichnis des Herrn, „der das Wort hört, aber weltliche Sorgen und der Trug des Reichtums ersticken das Wort, und es bringt keine Frucht“ (Mt 13, 22). Wie aber könnt ihr, deren Seelen Gott so wertvoll sind, dennoch die siegreiche Fülle des Festes „des schönen Pas’cha“ erwerben, zu dessen echten Teilhabern werden?

Der Weg ist einer für alle, der einzige für uns alle – das ist der Herr Selbst, der da sprach: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater, denn durch Mich“ (Jo 14, 6). Er – der Lebenspender, Der unseretwegen Mensch wurde, mit uns leidet und uns auferstehen lässt, weit öffnet Er uns
„die Tür der Buße“. Er – der Heiland, der zu Gott Vater empor führt. Er durchlief den irdischen Weg – der Er auf das Kreuz empor stieg, in das Grab mit dem Leib und in den Hades mit der Seele herabstieg, Er vollbringt die grundlegende, dem menschlichen Verstand nicht begreifliche, mit menschlichen Händen nicht zu vollbringende Tat – öffnet uns die Türen der Liebe und der Reue. Lasst uns nun durch diese in die Freiheit heraustreten. Überlassen wir es Christus, unsere Fesseln zu zerreißen, die Höllenketten. Aber hindurchgehen durch die geöffnete „Tür der Buße“ müssen wir selbst: durch unsere Entschlossenheit, unsere Arbeit, unsere Liebe… und unseren Hass!

Ja! Eben durch unseren Hass – auf die Sünde, denn sie hält uns immer noch in Gefangenschaft.

Wahre Umkehr enthält unabdingbar Abneigung, Ekel: entschiedene Abkehr von der Sünde, klaren Willen sie nicht zu wiederholen, der Sünde nicht weiterhin als Sklave zu dienen, so wie wir uns ihr bisher unterworfen haben und in Gefahr sind uns auch weiterhin leichtfertig zu unterwerfen. Ruft doch der Prophet David über die Sünde und die teuflischen Gedanken, die uns dazu treiben: „Gesetzesübertreter hasse ich, doch Dein Gesetz habe ich lieb“ (Ps 118, 113). Wahre Umkehr enthält unbedingt auch das Gebet zu Christus um die Liebe zu Ihm, zu Seinem Licht, zu Seiner Schönheit; um die Festigung in der Tugend.

Ostern wird für uns wahrlich schön, wenn wir diese „Frucht bringen, die der Umkehr entspricht“ (Mt 3, 8). Wenn uns das böse und überhebliche Verurteilen fremd wird, das sich in die Gewänder vermeintlicher Gerechtigkeit kleidet. Wenn wir keinerlei von Gott geschaffenes Geschöpf zu verachten wagen – wer es auch sei: reich oder arm, gebildet oder einfach, sei er Russe oder Ukrainer, Jude oder Deutscher, Grieche oder Türke.

Um dieses Wunders willen wurden wir in das Wasser der heiligen Taufe getaucht, um durch die Buße verwandelt zu werden, aufzuerstehen. Die Buße nagelt uns an Christus an, lässt uns mit Christus auferstehen, führt uns aus der Tiefe der Hölle heraus, und öffnet uns in Christus das Paradies.

Das „Schöne Pas’cha“ – Christus – verleiht uns die ersehnte Freiheit und Frieden, gutes Stehen in der Wahrheit und Wohlergehen.

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Berlin-München
Auferstehung Christi 2015

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Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2014

Nachdem wir die Auferstehung Christi geschaut haben, lasset uns anbeten den heiligen Herrn Jesus, den allein Sündlosen. Vor Deinem Kreuz fallen wir nieder, Christus, und preisen und verherrlichen Deine heilige Auferstehung.

Auf dem Weg zu Ostern begleitet uns das Kreuz ständig, genau so wie es uns vom Moment unserer Taufe bis zum Ausgang aus diesem Leben begleitet. Oder wisset ihr nicht, daß wir, so viele auf Christum Jesum getauft worden, auf seinen Tod getauft worden sind?... Denn wenn wir mit ihm einsgemacht worden sind in der Gleichheit seines Todes, so werden wir es auch in der seiner Auferstehung sein (Röm 6, 3 u. 5).

Ohne das Kreuz gibt es keine Auferstehung. So haben wir uns dem Kreuz auf halbem Weg zum Osterfest am Kreuzverneigungssonntag verneigt, ebenso war das Kreuz in unseren Gedanken und Gefühlen am Großen Freitag gegenwärtig, als wir Bespeiungen und Geißelung und Backenstreiche und Kreuz und Tod erinnerten, die der Herr um unserer Rettung willen erduldete.

Einstmals galt das Kreuz als Waffe des Todes und Symbol der Schande und Erniedrigung, des Verworfenseins ??? und der Hilflosigkeit ???. Gleichsam Zeichen der völligen Ohnmacht des Menschen vor dem Bösen dieser Welt. Vor dem Hintergrund und auf der Grundlage der gottmenschlichen Tat des Heilands und Seiner lichten Auferstehung jedoch fürchten wir Christen weder Schimpf noch Schande, denn wir schämen uns nicht. Wissen wir doch: auf dem Kreuz wurde der Lebensspender ausgestreckt – das Leben Selbst. Auf dieser Waffe des Todes nahm der Gottessohn Leiden und Tod auf Sich, Der um unserer Rettung willen Leib angenommen und Sich in unseren vergänglichen Körper gekleidet hatte. Auf diesem Instrument der Folter besiegte Er Verweslichkeit und Tod als Folgen der Sünde und der Verfluchung der Menschheit. Hier zeigte Er die Ihm Allein eigene unbesiegbare und unbegreifbare Göttliche Kraft, hier leuchtete Sein Sieg auf. Von hier aus erleuchtet und erfüllt Sein Licht das ganze Weltall.


Auf dem Kreuz tötete der Herr Sünde und Tod, entmachtete den Teufel und belebte uns mit Sich. Er gab uns Macht, Kinder Gottes zu werden (Jo 1,12), denn dem auferstandenen Christus ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden gegeben (Mt 28, 18). Das Königtum Christi ist eben das himmlische Königtum. Sein auferstandenes Leben ist schon nicht mehr irdisches, sondern himmlisches und preisen und verherrlichen Deine heilige Auferstehung. überhimmlisches. Aber Sein Königtum beschränkt sich nicht auf den Himmel, sondern erstreckt sich auf die ganze Erde. Denn dafür ist Er in unsere Welt gekommen und hat den menschlichen Körper angenommen, um uns zu Teilhabern an Seinem himmlisch-irdischen Leben zu machen, uns zur Vollkommenheit, zur Unsterblichkeit, zu ewiger Seligkeit zu führen.

Auf dem Kreuz zeigte der Herr Seine Liebe zur ganzen Menschheit. Wahre Liebe ist immer Göttliche, Christi Liebe, dem Evangelium verbundene. Wenn wir den Reichtum dieser Liebe des Lebensspenders zu uns fühlen und erkennen, dann wird unser Herz leicht von Gegenliebe zu Ihm erfüllt. Und wenn solche Liebe Christi im Herzen wohnt, ist es für alle Brüder offen. Ein solches Herz ist bereit, allen zu dienen – mit seinem Besitz, Seinem Gebet, Fasten, Barmherzigkeit, Geduld, Sanftmut, Demut, Erbarmen bis hin zur Aufopferung für seine Freunde ???. Auf diesem Weg kann der Mensch vollkommen Christus folgen. Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf und folge mir (Mt 16, 24).

Wenn wir orthodoxe Christen bereit sind, unser Kreuz auf uns zu nehmen, unsere Liebe zu Christus und jedem unserer Brüder auf der Erde auszustrecken, wenn wir bereit sind, Ihm in jener Handlung nachzuahmen, in welcher Er sich selbst entäußerte und Knechtsgestalt annahm (Phil 2, 7), dann bereiten wir uns darauf vor, Seine Herrlichkeit aufzunehmen und an Seiner Gewalt im Himmel und auf Erden teilzuhaben, in Seiner allumfassenden Liebe. Und frohlockend singen wir: Du bist unser Gott, außer Dir kennen wir keinen anderen und Deinen Namen rufen wir an. Kommet, alle Gläubigen, lasset uns die heilige Auferstehung Christi preisen, denn siehe, durch Christus ist Freude für die ganze Welt gekommen!

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Berlin-München
Auferstehung Christi 2014

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Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark an die gottesfürchtigen Gläubigen der Deutschen Diözese 2013

Christus ist auferstanden! Liebe Brüder und Schwestern im Herrn!

Jedes Jahr bringen wir Christus in der lichten Osternacht den feierlichen Gesang von den Engeln dar, die Seine Auferstehung in den Himmel besingen, und bitten, dass uns der auferstandene Herr würdige, IHN hier auf Erden zu schauen und mit reinem Herzen zu preisen.
Aber kann man denn in diesem jetzigen Leben Gott schauen? Wird uns diese Fähigkeit nicht erst im künftigen Zeitalter eröffnet?
Könnte man Gott nicht im irdischen Leben schauen, so würden wir nicht bei jedem Sonntagsgottesdienst singen: „nachdem wir die Auferstehung Christi gesehen haben, lasset uns anbeten den heiligen Herrn Jesus ...". Wo aber und wie kann man die Auferstehung Christi deutlich sehen? – Nicht äußerlich, nicht mit fleischlichen Augen, nicht in träumerischer Vorstellung, die uns Trugbilder malt, wie die Szenen in einem Spielfilm, und nicht einmal in der Kirche auf der Ikone der Auferstehung, denn die Ikone ist lediglich ein Abbild des inneren geheimnisvollen Ereignisses. Es gibt nur einen Platz im Weltall, an dem wir dem Herrn Christus begegnen können - das ist unser eigenes Herz. Dorthin, in die Tiefe des Herzens, tritt der Herr in den Mysterien der Kirche ein, um unsere Seelen aus  dem Kerker des Hades zu führen (Ps. 141, 7), um uns aufzuerwecken, die wir von der Sünde getötet sind. Eben davon spricht zu uns die Ikone der Auferstehung Christi, deren zweiter Name ist – „Abstieg in den Hades“.

Die Seligkeit des Gottschauens wurde uns vom Gottmenschen Selbst verheißen:  Selig sind, die reinen Herzens sind; denn sie werden Gott schauen (Mt. 5, 8). Allerdings ist dies nicht allen verheißen, sondern nur denen, die reinen Herzens sind und die Gebote des Herrn befolgen. Wer Meine Gebote hat und hält sie, der ist es, der Mich liebet … und Ich werde ihn lieben und Mich ihm Selbst offenbaren (Jo. 14, 21).

Diese Verheißung zeugt von der Möglichkeit, Gott eben im irdischen Leben zu schauen, denn dort, wo Seine Gebote gehalten werden, dort wird ER sich allen zeigen, die ihr Herz gereinigt haben.

Die Gnade des Heiligen Geistes reinigt das Herz, wenn wir uns bemühen, vollkommen für Christus und in Christus zu leben. Dies ist besonders in der Osterzeit nötig. Es ist gefährlich sich allein dem äußeren Fest hinzugeben und umso mehr einer lärmenden weltlichen Ausgelassenheit. Solche Ausgelassenheit ist nicht vereinbar mit wahrer, stiller Osterfreude. Wenn man das Kreuz Christi vergisst, so kann sich die festliche Freude über die Auferstehung Christi leicht aus einem geistlichen Fest in eine fleischliche Vergnügung verwandeln. Damit unsere Freude nicht sinnlos und sündig wird, müssen wir mit gereinigtem Herzen alles miterleben und uns daran erinnern, was der Auferstehung voranging: das ungerechte Gericht über den Retter, die Bespeiungen, Schläge, Verhöhnungen, Sein freiwilliges Leiden am Kreuz um unsretwillen, Sein Tod und Begräbnis. Es ist unmöglich, wahre Freude über die Auferstehung Christi zu empfinden, wenn man nicht mit Christus gestorben und mitauferstanden ist, wenn man nicht innerlich alle Stadien Seines Kreuzweges durchlebt hat, die für uns vollbracht wurden. Man kann Christi Tat nicht schätzen, wenn man selbst nicht bereit ist, zu leiden, ohne die Bereitschaft, Gethsemane, Golgatha, das Kreuz und den Abstieg in den Hades auf sich zu nehmen. Denn, sagt der heilige Apostel Paulus, so wir samt Ihm gepflanzet werden zu gleichem Tode, so werden wir auch der Auferstehung gleich sein (Röm. 6, 5) und sind wir denn Kinder Gottes, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, so wir mit IHM leiden, auf dass wir auch mit IHM zur Herrlichkeit erhoben werden (Röm. 8, 17).

Gebe Gott uns, die wir uns in der Zeit der heiligen vierzigtägigen Fasten in der Ähnlichkeit Seines Todes mit Christus vereint haben, mit Ihm in der Ähnlichkeit Seiner Auferstehung nicht nur an diesen heiligen Ostertagen, sondern auch an allen Tagen unseres Lebens vereint zu sein; zu feiern und zu triumphieren mit Seinen heiligen Engeln, mit allen Propheten, Aposteln, Märtyrern und Bekennern, den heiligen Asketen und Gerechten, die ihre Herzen reinigten, um Gott zu schauen. Und gebe uns Gott, dass auch an uns, die wir unsere Herzen gereinigt und rein erhalten haben, die Verheißung der ersehnten Begegnung in Erfüllung gehe, die Verheißung ewiger, unvergänglicher und unverrückbarer Freude, die vom Herrn Seinen heiligen Jüngern und all ihren Nachfolgern gegeben wurde: Ich will euch wieder sehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen (Jo. 16, 22).

Wahrhaftig ist Christus auferstanden!

München/ Berlin, Pas'cha des Herrn 2013

Mark, Erzbischof von Berlin und Deutschland

und die Bruderschaft des Klosters

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Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark an die gottesfürchtigen Gläubigen der Deutschen Diözese 2012

Erleuchte meine Seele mit der Liebe Deines Kreuzes

Liebe Brüder und Schwestern, Orthodoxe Christen!
Beendet ist die Große Fastenzeit, und gekommen ist der lichte Festtag der Auferstehung Christi. Auf dem engen Pfad des eifrigen Gebets und der Enthaltung sind wir zum ersehnten Ziel gelangt. Pas'cha! Pas'cha des Herrn! Zeit unserer Erneuerung mit Christus, Zeit unseres Auszugs aus dem sündigen Ägypten der Leidenschaften und des Aufstiegs in das Verheißene Land der Rettung und der Freude, Zeit der Auferstehung Christi und mit Ihm -  der ganzen an Ihn glaubenden Menschheit.
Schauen wir zurück auf den durchlaufenen Weg: in den ersten Tagen der Großen Fasten hörten wir den Kanon des hl. Andreas von Kreta. Den Kanon, der uns zur Buße anregt, zum Nachdenken über unseren erbärmlichen geistlichen Zustand, über unser Verlangen nach der reinigenden Kraft der Liebe Christi.

Im Laufe der ganzen Fastenzeit haben wir die wichtigsten Ereignisse des Heilswerks Gottes miterlebt. In der ersten Woche legte uns die Heilige Kirche die Lesungen über den Anfang der Welt ans Herz, über die Schaffung des Menschen nach Bild und Ähnlichkeit des Schöpfers. Am ersten Sonntag der Fasten feierten wir das Fest der Orthodoxie, das Gedächtnis des Siebenten Ökumenischen Konzils, als nach dem schrecklichen Sturm des Ikonenkampfes die Verehrung der heiligen Ikonen wiedererrichtet wurde, die Verehrung des Bildes Gottes im Menschen und des Abbilds des Menschen in Christus.
In Buße und Gebet, in der Enthaltung von der Sünde, unter Erneuerung der wertvollen Ikone - des Bildes Gottes in unseren Herzen, haben wir den Meeresgrund der Fasten durchschwommen, wobei wir von neuem den Weg von der Schöpfung der Welt und des Menschen hin zur Wiederherstellung des gefallenen Adam, zur Schöpfung der neuen Kreatur (2. Kor. 5, 17; Gal. 6, 15) in Christus mit Sinn erfüllten.
In dieser Fastenzeit durchlebten wir wieder die schrecklichen Stunden der Leiden des Herrn auf Golgatha, wo unser Herr Jesus Christus durch Seine Leiden am Kreuz uns zu Teilhabern Seiner herrlichen Auferstehung machte. Wieder hörten wir am Großen Sonnabend die Aufforderung: "Es schweige alles sterbliche Fleisch, … und denke bei sich an nichts Irdisches". Die Rettung der Welt wird eben in der tiefen nicht diesseitigen Stille des Kreuzestodes des Heilands vollzogen - wobei das weltliche Getöse und irdische eitle Rastlosigkeit um das Kreuz wie damals, bei Kaiapha, Herodes und Pilatus, den damaligen kirchlichen und weltlichen Machthabern, nicht verstummten, so auch bis zum heutigen Tag nicht verstummen, indem sie Geist und Herz der Menschen verführen.
Lasst uns aber in unser Herz schauen - sind wir denn selbst an diesen Tagen schließlich verstummt? Sind wir stumm geworden für leeres Geschwätz, List und Verleumdung? Sind wir verstummt für die Sünde? Für weltliche Eitelkeit? Und wenn wir verstummt sind, für wie lange?
Wenn wir nun eine solche Erfahrung durchlaufen haben, ohne vom Getöse der eitlen Welt verführt zu werden, wenn wir wahrlich das rettungbringende lebensspendende Verstummen des Kreuzes Christi lieb gewonnen haben, mit welch großer Freude können wir dann jetzt mit der ganzen Kirche singen: "Nachdem wir die Auferstehung Christi gesehen haben, lasset uns anbeten den heiligen Herrn Jesus, den allein Sündlosen. Vor Deinem Kreuze fallen wir nieder, Christus, und preisen und verherrlichen Deine heilige Auferstehung"!
Wenn wir wirklich bereit sind, vor Ihm Allein niederzufallen, dann erleuchtet die allbesiegende, allerbarmende, allbeglückende Liebe des Kreuzes des Herrn unsere Seelen und besiegt all unsere Leidenschaften, all unsere Sünden, alle Eitelkeit dieser Welt.
Wahrhaftig ist Christus erstanden! Nehmen wir mit ganzem Herzen mit der ganzen Gegenliebe, liebe Brüder und Schwestern, Sein Werk an, das um unsretwillen vollbracht wurde, um unserer Rettung willen, unserer Neuschöpfung, unserer Mit-Auferstehung willen!

Christus ist auferstanden!
München-Berlin
Ostern-Pas'cha des Herrn 2012


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Osterbotschaft S. E. Erzbischof Mark an die gottbehütete Herde der deutschen Diözese 2011
Hinabgestiegen bist Du in die Unterwelt, Christus,
und vernichtet hast Du die Pfeiler der ewigen Tür, die die Gebundenen gehalten hat...

Großartige Freude erfasst die orthodoxen Christen an Ostern, wenn die Kirche auf der Erde und die Kirche im Himmel frohlockt, wenn die ganze Natur mit uns die Auferstehung Christi feiert, selbst aufersteht und sich erneuert.
Nun erfüllt sich alles mit Licht, der Himmel und die Erde und die Unterwelt... Stellen wir uns vor, welche Erleichterung die alttestamentlichen Propheten und Gerechten, die mit Zuversicht das Kommen des Messias erwarteten, gefühlt haben, als das Licht Christi in den düsteren Abgründen der Hölle erstrahlte. Welch eine Freude haben dort die Seelen der verzweifelten Sünder erfahren, die in diesem Augenblick an das rettende Licht geglaubt haben! Sie alle wurden zu Zeugen dessen, wie der Herr die Hölle durch den Glanz der Göttlichkeit besiegt und die ewigen Pfeiler ihres Eingangs zerstört hat. Niemand anderes vermochte dies zu tun. Nur Er, in Seiner großen nicht zu übertreffenden Demut und Liebe, konnte die Gefangenen der Unterwelt auferwecken und aus der ewigen Gefangenschaft herausführen.
In unserer Zeit erregt und erschüttert sich die Unterwelt unerlässlich und Gott lässt dies zu, zu unserer Ermahnung. Die Menschheit fragt verständnislos: wie wird es weiter gehen? Nachrichten von Überflutungen, Bränden und Erdbeben sind schon fast zur Gewohnheit geworden. Hunderttausende Menschen sterben durch die ausschweifende Naturgewalt. Nie da gewesene Hitze und Kälte, ununterbrochene Regenfälle oder todbringende Trockenheit, Tsunamis, Taifune und Vulkanausbrüche dringen grausam in unser Leben ein, ungeachtet aller wissenschaftlichen Errungenschaften und der Technik. Doch viele und aber viele weigern sich, in all diesem die Folge der Sünden und der Abgefallenheit von Gott zu erkennen.

Diese Menschen interessiert nicht, warum der Schöpfer Selbst in die Untiefen der Welt hinabgestiegen ist. Deshalb vermögen sie es auch nicht, sich an seiner Auferstehung zu freuen. Auf den menschlichen Verstand und die Allmächtigkeit des „Fortschritts“ vertrauend, leben sie dennoch in ständiger Angst vor den heutigen und zukünftigen Naturkatastrophen.
Wir aber, liebe Brüder und Schwestern, fürchten uns nicht, wenn auch die Erde weicht und die Berge mitten ins Meer sinken (Ps. 46, 3), denn auf orthodoxe Weise glauben wir, dass der Herr für das ewige Leben nicht unseren Planeten, sondern eine andere Heimstatt bestimmt hat. Die Erde und die Werke darauf werden verbrennen (2. Petr. 3, 10), warnt der heilige Apostel die Treuen. Der Herr öffnete uns die Himmel, als er die Tore der Hölle zerstörte und führte uns, wie das österliche Synaxarion lautet, „zum alten Besitz der Unverweslichkeit“. Durch deine Auferstehung, Herr, hat sich das Paradies wieder aufgetan – singt die heilige Kirche in der Lichten Woche. Sobald wir diese frohe Botschaft mit ganzem Herzen und Verstand, mit unserem ganzen Wesen annehmen, erhalten wir wahrlich den Eingang in das unverwesliche Paradies der Süße, das für diejenigen offen steht, die sich von dem satanischen Stolz des sich emporhebenden menschlichen Verstandes losgesagt und in Demut Gottes Wort, die Heilige Schrift und die Erfahrung der Kirche angenommen haben.
In der Kirche Christi erfahren wir die rettende Erleichterung, die uns durch wahre Buße entgegengebracht wird, dieser wundertätigen Medizin, welche uns vom Allgütigen Erlöser geschenkt worden ist. Nicht nur in der Großen Fastenzeit, sondern das ganze Jahr über treten wir immer und immer wieder durch die Tür der Buße aus der Dunkelheit in das wundersame Licht Christi und danken gemeinsam mit dem Psalmsänger dem Herrn, der unsere Seelen aus der Tiefe des Totenreiches errettet hat, aus der Gefangenschaft durch unsere Sünden und Leidenschaften.
Viele von uns haben im Laufe des letzten Jahrhunderts irdische Gefangenschaft und unmenschliche Gewalt durch die gottlose Tyrannei erlitten. Groß ist die unvergessliche Freude, welche der Mensch erfährt, der aus solch einer Unterdrückung befreit wird. Doch noch größer ist die unaussprechliche Freude eines Menschen, der aus einem sündigen Leben in die Umarmung des Vaters läuft. Der Herr selbst bedeckt und wärmt einen solchen reuigen Flüchtling mit Seiner Liebe und Gnade, kleidet ihn in Gewänder der Unverweslichkeit und setzt an seine Hand einen kostbaren Ring, der den Übergang aus dem gefangenen Zustand und der Sklaverei in die Würde der Söhne Gottes und der Teilhaber an Seinem ewigen Segen bedeutet.
Lasst uns also darum bitten, dass die Freude der Auferstehung Christi beständig und untrennbar bei uns bleibt, auf dass wir bewusst die Auferstehung unserer Seelen vom sündigen Leben annehmen und unsere Schritte auf dem Weg der Rettung festigen können. Unsere Freude und Befreiung sehend, können auch unsere Nächsten sich mit uns freuen und gemeinsam mit uns in Christus auferstehen. Und diejenigen, die bisher noch weit entfernt sind vom Verständnis der wahren Freude der Auferstehung Christi, werden durch unseren Glauben und unsere Liebe aus dem sündigen Schlaf erweckt und sie werden der Umarmung des Auferstandenen Christus entgegenstreben.
Ostern, das Ostern des Herrn, lasst uns in Freude einander umarmen! Amen.

Lichte Auferstehung des Herrn 2011
Mark, Erzbischof von Berlin und Deutschland

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Er ist wahrhaftig auferstanden!

In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheinet in der Finsternis, und die Finsternis hat's nicht begriffen (Jo 1, 4-5).

Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark 2010

Christus ist auferstanden, liebe Brüder und Schwestern!

Das wahre Leben erschien in unserer Welt, nachdem der Mensch es durch die Sünde vertrieben hatte, erst mit Christus. Bis zur Ankunft unseres Herrn Jesus Christus in unsere irdische Welt gab es kein Leben, kein Licht, sondern lediglich Finsternis und Todesschatten. Der hl. Evangelist Johannes der Theologe bezeichnet Christus als den Logos des Lebens (1. Jo 1, 1), Der der Welt das Leben schenkt und dafür kam (Jo 6, 33), daß sie das Leben haben sollen (Jo 10, 11). Ich bon die Auferstehung und das Leben, sagte Christus (Jo 11, 25), bevor Er Seinen Freund auferweckte - den viertägigen Toten und bereits stinkenden Lazarus. Jetzt hat der Auferstandene Christus durch Seine herrliche Auferstehung und mit auferweckt, die wir durch die Sünde gestorben waren, und vertrieb die Finsternis der Unterwelt durch Sein Göttliches Licht: nun ist alles erfüllt von Licht, Himmel und Erde und Unterwelt… Die Kirche bezeichnet das Licht der Auferstehung als unzugänglich, aber es ist nur zeitweise unzugänglich, nur für die Menschen, die sich noch nicht von dem irdischen Jammerthal getrennt haben, von der irdischen Logik, der irdischen Beschränktheit, der irdischen Neigung zur Sünde.

Darüber lohnt es sich jetzt nachzudenken, da wir das Feld der Großen Fasten durchschritten haben, uns von der Sterblichkeit der von uns begangenen Sünden gereinigt, und auf diese Weise zu den Seinen des Herrn, zu Christi Eigenen geworden sind. Der Logos des Lebens läßt uns sterbliche Menschen schon jetzt, hier auf Erden, an Seiner himmlischen Logik teilhaben, an Seinem Ewigen Leben, und damit alles Unlogische , Sinnlose, Wortlose, Logoslose ablegen, das heißt Teufel, Sünde und Tod verwerfen. Aus der begrenzten Zeit und Raum bereiten wir uns, die wir durch Ihn und in Ihm leben, Ihn in uns haben, darauf vor, in eine andere Realitt einzutreten, in den Bereich des пакибытия ewigen Lebens. Aus dem Bereich der geschöpflichen Finsternis - in den Bereich des ungeschaffenen und ewig seienden Lichtes. Dieses Licht kann kein Dunkel umfangen. So werden auch unsere Seelen, gereinigt durch die Buße, unzugänglich für die sündige Finsternis. Die Ewigkeit ist uns durch die Auferstehung Christi eröffnet, und wir sind frei, in sie einzutreten - durch die freiwillige Ablehnung der sündigen Bosheit, des sündigen Todes, und durch die Liebe zum Guten und zum Licht, zu Christus dem Lebenspender.

Wenn wir das jetzige Osterfest begehen, erkennen wir natürlich, das dieses Passah kurzlebig und vergänglich ist, wie alles in diesem zeitweiligen Leben. Und je tiefer wir nach dem Fest wieder in die Alltäglichkeit unserer irdischen Sorgen eintauchen, umso schwieriger ist es, in uns das Bewußtsein des ewigen Passah zu bewahren.

Als Warnung vor der Gefahr der Nachlässigkeit in der Askese wird uns in der Heiligen Schrift gesagt, daß in dem Erdbeben siebentausend Namen der Menschen getötet wurden; und die andern erschraken und gaben Ehre dem Gott des Himmels (Offb. 11, 13). Diese siebentausend Getöteten verweisen nach den Worten der heiligen Väter auf diejenigen, die am dir Zeit des gegenwärtigen Lebens gefesselt sind, das an sieben Tagen gemessen wird, und den achten Tag - den Tag der Auferstehung nicht erwarten.

Tatsächlich aber sind wir dazu berufen, uns unser ganzes Leben lang gerade auf diesen achten Tag, das künftige Zeitalter, das ewige Passah, vorzubereiten. Dieses künftige Zeitalter wird als Tag deshalb bezeichnet, da es dann schon keine Nacht mehr gibt. Die Sonne wird sich schon nicht mehr gen Westen meigen und nie mehr untergehen. Und wie der Engel dem heiligen Johannes dem Tehologen offenbarte, soll hinfort schon keine Zeit mehr sein (Offb 10, 6), und für immer, nicht nur für einen Moment wie auf dem Berg Thabor mit den Aposteln geschah, wird uns das ewig seiende Licht des Lichtspenders und Lebenspenders Christus leuchten.

Über das täglich gefeierte Ostern sagt uns der hl. Theodor der Studite, daß es die "Reinigung der Sünden, Zerknirschung des Herzens, Tränen der Rührung, Reinheit des Gewissens, Abtötung der auf der Erde weilenden Glieder der Hurerei, der Unreinheit, der Leidenschaften, der Fleischeslust und jeglichen anderen wirksamen Lasters" ist.

Indem wir so durch die Abtötung der Leidenschaften und die Auferstehung der Tugenden täglich Ostern Feiern, vertrauen wir auf die Gnadengabe, die uns der verleiht, Der für uns gelitten hat und auferstanden ist, der Herr - die nicht untergehende Sonne , des ewige Passah in den Himmeln.

Er ist wahrhaftig auferstanden!

München-Berlin zu Ostern 2010

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Christus ist auferstanden!

Osterbotschaft S.E. Erzbischof Mark an die gottesfürchtigen Gläubigen der Deutschen Diözese 2009

Hinter uns liegen die Tage der Leiden des Herrn. Gekreuzigt ist der Lebensspender, dem Tod überliefert und begraben der Schöpfer des Weltalls. Bespeiungen, Schläge und Verhöhnung, Kreuz und Tod erlitt für die Rettung der Welt der Allersanfteste und Demütigste in allen Welten – Der Gottmensch Jesus Christus.

Wer von uns konnte in der Kirche an diesen Tagen der Leidenswoche gleichgültig bleiben, als der König der Könige zu Pilatus zum Gericht geführt wurde, als einer der Zwölf seinen Lehrer verriet, als die Apostel und Wundertäter im Garten Gethsemane während des Gebets über den Kelch schliefen und flohen, Ihn am Kreuz sterben lassend; wer konnte gleichgültig bleiben, als am Grab des Gottessohnes Seine Allerreinste Mutter weinte? Waren wir nicht bis auf den Grund der Seele erschüttert von dem Verrat der Apostel Judas und Petrus, der Feigheit der anderen Jünger – dieser Hörer Seiner wunderbaren Worte und Zeugen Seiner erstaunlichen Wunder?

Wofür durchlebten wir wiederum wie in den vergangenen Jahren diese schrecklichen Ereignisse?

Für nichts anderes als dafür, dass wir jetzt auch von neuem Seine Auferstehung miterleben. Wir mussten diese Tage durchlaufen, um Seinem Tod ähnlich zu werden und zu Seiner Auferstehung zu gelangen (Phil 3, 1011). Die gesamte Heilsordnung, von der Fleischwerdung Gottes bis zu Seinen Leiden am Kreuz und der Auferstehung, geschieht um der Erneuerung des gefallenen Menschen willen, um der Wiedereinsetzung in seine ursprüngliche Würde und Herrlichkeit willen. Unser Glauben ist vergeblich, wenn er nicht in die Rettung durch die Auferstehung einmündet. Zur Auferstehung können wir jedoch nur auf einem Weg gelangen: indem wir Seinem Tod ähnlich werden.

Sind wir dazu fähig? Wir sind fähig – wenn wir bereit sind, unsere Seele so zu erziehen, dass sie tagtäglich und stündlich nach Christus hungert und durstet, dass in ihr das feurige Streben zum Himmlischen Bräutigam entbrennt.

Dafür haben wir gemeinsam die vierzigtägige Fastenzeit durchlaufen, in der Absage an das andere Gesetz, das da widerstreitet dem Gesetz in meinem Gemüte und mich gefangen nimmt im Gesetz der Sünde, welches ist in meinen Gliedern (Röm 7, 23). Jetzt aber, erneuert durch die Auferstehung des Herrn, können wir aufrecht das Gesetz Gottes im Herzen annehmen, und dann werden unsere Füße auf dem Weg zur Rettung nicht mehr stolpern (Ps 36, 31). Der Auferstandene Christus Selbst wird uns unterweisen, wenn wir auf der Zunge und im Herzen die Worte Gottes haben werden, sie ununterbrochen lernen und aus ihnen Weisheit und Liebe zur Tugend schöpfen.

Die langen Gottesdienste der Großen Fastenzeit haben uns gewöhnen lassen, im Gebet und Psalmengesang zu verweilen. Nun sind die Fasten abgeschlossen, das Passah angebrochen, welches uns die Türen des Paradieses öffnet, und dem Herrn hat es gefallen uns durch die Auferstehung Gnade zu schenken. Um dieses Aufstiegs zu Christus nicht verlustig zu gehen, müssen wir, die wir Seine rettungsbringende Tat geschaut und durchlebt haben, uns auch weiter mühen. Doch diese Mühe – uns Tag und Nacht im Gesetz des Herrn zu unterweisen – ist süß, und der sich so Mühende – selig, nach dem Wort des Psalmensängers, denn er erlangt zu seiner Zeit die Frucht der Rettung (Ps 1, 23). Die Seele, die so vorgeht, verliert die geheime Osterfreude nicht in einer oder zwei Wochen, wie das häufig mit uns geschieht, sondern verweilt ständig in ihr, sich mit neuen Kräften bereichernd und im Maße der Größe (Eph 4, 13) des Auferstandenen Heilands wachsend. An Gott zu gedenken, sagt der Große Basilios, ist unverzichtbarer als zu atmen, denn dadurch führen wir uns zur Reinheit empor. Indem wir den Herrn zu jeder Zeit lobpreisen, machen wir uns zu Wundertätern und Theologen, da wir aus unseren Seelen die Dämonen der Unzucht und des Ehebruchs, der Verleumdung und Lüge, der Verurteilung und Selbstüberhebung austreiben und mit Dankbarkeit des Herzens die unaussprechliche Menschenliebe des Herrn Christus erlangen.

Im Vertrauen auf die Macht des Auferstandenen Christus wollen wir unsere Seelen unaufhörlich von jeglichem Makel reinigen, denn das reinigende Passah kam herbei, und wieder leuchtete aus dem Grab die lichte Sonne der Wahrheit auf.

Christus – die Sonne der Wahrheit – leuchtet uns zum ewigen Leben, wenn wir entschlossen unseren früheren geistlichen Tod abwerfen. Lassen wir uns durch das Fest an diesem hochgerühmten und heiligen Tag erleuchten – auf dass dieses Ostern für uns zu einer Stufe zu immer neuen Höhen auf dem Weg zur uns verheißenen Rettung führe. Amen.

BerlinMünchen Ostern 2009

Mark, Erzbischof von Berlin und Deutschland

und die Bruderschaft des Klosters


 

Kathedrale der Hll. Neumärtyrer und Bekenner Russlands in München

der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland



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