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Startseite Gemeindeleben Die Gemeinde feiert das Fest ihrer Heiligen

Kathedrale der Hll. Neumärtyrer und Bekenner Russlands in München

der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland

Die Gemeinde feiert das Fest ihrer Heiligen

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Wir laden unsere deutschsprachigen Gläubigen dazu ein, das Patronatsfest mitzufeiern!
Sa. - 4. Februar  2017 17:00 Nachtwache (Vigil) und So. - 5. Februar  2017 10:00 Göttliche Liturgie

Die heiligen Neumärtyrer und Bekenner Rußlands sind uns nah in Zeit und Geist, in welchem wir erzogen sind und den wir nach dem Maß unserer Kräfte angenommen haben. Von Anbeginn befinden sich in der Ikonostase unserer Kirche Teilchen der Reliquien der uns besonders nahestehenden heiligen Märtyrer-Nonnen, der Großfürstin Elisabeth, der Schwester der Märtyrer-Zarin, und der Novizin Barbara. Die Großfürstin Elisabeth war eine Darmstädter Prinzessin, die ihre Heimat verließ und eine neue Heimat fand – sowohl körperlich als auch geistlich. In den schrecklichen Tagen der Verfolgung gesellte sich ihre Klostergehilfin, die russische Novizin Barbara zu ihr und ging mit ihr ins Martyrium.

In den vergangenen Jahren kamen weitere Reliquien der hll. Neumärtyrer hinzu:

die des hl. Patriarchen Tichon und seines Mitstreiters in Christo, seines Helfers in den schwersten Zeiten der Verfolgung, des Erzbischofs Hilarion (Troickij), ebenso des hl. Nikodim von Belgorod, und des Bekenners des hl. Sergij Pravdoljubov. In diesem Jahr, dem 100. seit der Februar-Revolution, werden hier in einem  besonderen Reliquiar die Reliquien der hll. Zaren-Märtyrer herausgetragen: des hl. Märtyrer-Zaren Nikolaus und der hl. Zaren-Märtyrerin Alexandra und ihrer Kinder - Olgas, Tatianas, Marias, Anastasias sowie Alexijs, der Märtyrer. In einem anderen Reliquiar der Heiligen aus alten und neuen Zeiten ist das Taufkreuz, das der hl. Neumärtyrer Kirill von Kazan (Smirnov) seinem Taufkind bei der Taufe schenkte. Der hl. Hierarch wurde am 7./20.11.1937 in Tschimkent erschossen, zusammen mit dem hl. Neumärtyrer-Hierarchen Iosif von Petrograd (Petrovych). Ihre Reliquien sind heute irgendwo in einem unbekannten Massengrab, aber wir haben dieses Kreuzchen - aus der Hand des Heiligen. Dort im scheinbar so fernen Kasachstan schließt sich ihnen dann ein so leuchtender Zeuge Christi an wie der einstige Novize des letzten Optina-Starzen Nikon. Seine Ikone mit seinen Reliquien wird ebenfalls herausgetragen in die Mitte der Kirche. Einige unserer Gläubigen kannte der hl. Staretz Sevastian, als sie noch Kinder waren. Und sehr Viele, die heute in Deutschland leben, kamen aus Kasachstan, das uns so wirklich nah wird in unseren Heiligen. So feiern wir das Fest unserer Heiligen als lebendige Verbindung mit diesen Zeugen Christi des Erretters, eine  für uns heilige und heilende Vereinigung, die untrennbar bleibt, wenn wir ihr treu bleiben. Unsere Kirche lädt zu dieser Treue ein.

Martyrium und Christentum sind gleichbedeutend. "Martis" ist das griechische Wort für "Zeuge". Das Zeugnis Christi kann im Menschen lebendig sein, dann ist er ein "Zeuge Christi". Der gegen Christus und Seine Nachfolger gerichtete Hass darf uns nicht verwundern. Er ist natürlich, er ist vom Herrn Selbst vorhergesagt, Der da sprach: Wenn die Welt euch hasst, so wisset, dass sie Mich vor euch gehasst hat (Jo 15, 18). Was für Schüler sind wir aber, wenn wir nicht in den Fußstapfen unseres Lehrers folgen?

Der Herr warnt uns davor, Anstoß zu nehmen, wenn wir um Seinetwillen leiden müssen. Wir leiden, jeder nach seinem Maß – die Neumärtyrer, denen unsere Kirche geweiht ist, und die Märtyrer aller Zeiten, aber auch wir, nur dann sind wir "Zeugen", eben: Christen.

In die kleingläubige Seele schleicht sich leicht Zweifel ein – Zweifel an der Macht der Heilands. Doch diese Zweifel treten dann auf, wenn man die Rettung und das Werk unseres Retters nicht von der geistlichen Seite, sondern vom materiellen Standpunkt aus betrachtet. Hätte uns der Herr auf der Erde ewiges Leben geschenkt, Unsterblichkeit, hätte Er uns vor Verfolgungen und Leiden bewahrt, so wären viele und aberviele Ihm gefolgt. Aber wie wären sie gefolgt? Nicht aus Liebe, sondern um des Vorteils willen. Das Werk der Rettung würde in einem solchen Fall von einem utilitaristischen Standpunkt aus betrachtet, und der freie Wille des Menschen wäre dahin. Unsere Welt aber und der zeitgenössische Mensch unterwirft sich auf allen Ebenen einer Mechanisierung, er gibt Robotern den Vorzug, fürchtet sich und haßt die Erscheinungsformen des freien menschlichen Willens und unterdrückt sie deshalb in allen uns bekannten Formen der Diktatur. Warum wandte man sich in Rußland zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und an anderen Orten bis in unsere Zeit so scharf gegen diese Freiheit? Weil der freie Wille vom Schöpfer Zeugnis ablegt.
Uns erkennt man als Seine Schüler an der Liebe, die wir untereinander haben. Diese Liebe baut auf der Liebe zu Gott auf. Was für eine Liebe ist das, aber wenn sie auf Zwang beruht! Das Böse erfaßt in unserer Welt den Menschen, der sich von Gott als der Quelle der Liebe entfernt hat, mit solcher Kraft, daß ein solcher Mensch alles Göttliche haßt, und dabei in erster Linie die Gottesträger und Christusträger, d.h. diejenigen, die wahrhaftig von Liebe zu Gott, zu Christus erfüllt sind, diejenigen, die nach Seinen Gebote aus freien Willen und aus Liebe zu Ihm leben.
In Menschen, die sich von der Einheit und Gemeinschaft mit Gott getrennt haben, wird das Böse selbst zu einer "Gottheit", wie geschrieben steht: Es kommt die Stunde, daß, wer euch tötet, wird meinen, er tue Gott einen Dienst damit (Jo 16, 2) Ja, solchen Mord fordert der böse "Gott", der Abgott dieser Welt. Allein der Anblick eines Gerechten ist für den Ungerechten unerträglich. Daher werden die Nachfolger Christi verfolgt werden. Es steht geschrieben: Alle, die in Christus Jesus fromm leben wollen, werden verfolgt werden (2 Tim 3, 12). Das tugendhafte Leben eines Christen macht das lasterhafte Leben des die Sünde Liebenden zur öffentlichen Schande. Der Herr Selbst sagte voraus: Wenn sie Mich verfolgt haben, so werden sie auch euch verfolgen (Lk 6, 22), und ihr werdet von allen gehaßt werden, um Meines Namens willen (Lk 22, 17).
Allein der Name Christi, der Name eines Christen läßt denen keine Ruhe, die Gott hassen. Wir, sollten diesen Namen würdig tragen, ohne uns leichtfertig ihm gegenüber zu verhalten. Nur so können wir unseren Weg mit Leichtigkeit vollenden. Zur Askese müssen wir uns vorbereiten, in der Liebe zu Christus, in der Liebe auch zu jenen Leiden, die Er uns auferlegt. Wenn wir die Heiligenleben lesen, uns durch ihre Leiden erleuchten lassen und über sie nachsinnen, machen wir uns mit dem Gedanken an die Unumgänglichkeit der Leiden vertraut und lassen Not und Leiden für uns selbstverständlich werden. Deshalb ist es so wichtig für uns zu wissen, wer die Neumärtyrer sind und die Bekenner Rußlands, deren geistliche Kinder wir ja sind. Wir sind eine kleine Herde. Doch wieviel waren die Apostel? Zwölf Männer, und gegen sie haben sich Scharen von Pharisäern aufgelehnt, Ketten, Gefängnisse, Verleumdungen, Erniedrigungen, Schläge, Todesgefahren und der Tod selbst. Doch sie waren bereit dazu und sagten: Wir können es ja nicht lassen, daß wir nicht reden sollten von dem, was wir gesehen und gehört haben (Apg 4, 20). Sie legten Zeugnis ab – nicht nur mit Worten, sondern mit ihrem ganzen Leben – von Dem, Der sie geboren hat – Christus.
Die heiligen Neumärtyrer kannten die Kraft Christi, sie kannten die Wahrheit und konnten sie nicht verbergen. Die einen ertrugen die Leiden und Prüfungen schweigend und brandmarkten damit ihre Peiniger, die anderen klagen sie mit Worten an wie dies der heilige Erstmärtyrer Stefan tat: Ihr Halsstarrigen und Unbeschnittenen an Herzen und Ohren, ihr widerstrebet allezeit dem heiligen Geist, wie eure Väter, so auch ihr (Apg 7, 51).
Auch heute widersetzen sich viele, allzuviele Gott, widersetzen sich dem Herrn Christus und dem Heiligen Geist. Doch wahrer christlicher Eifer schaut nicht auf die Zahl derer, die Macht und Kraft besitzen, die Ungerechtigkeit zu vollbringen. Wahrer christlicher Eifer achtet nicht auf Drohungen und Gefahren, wahrer christlicher Eifer ist nur auf eines gerichtet: die Wahrheit auszusprechen, allen die Lüge darzulegen, damit sie nicht heimlich jemanden unter den einfachen Menschen überwältige.
Das Blut der Neumärtyrer und Bekenner Rußlands hat die Pracht und Kraft der Russischen Kirche offenbart. Die durch Versuchungen erprobte Geduld scheint wie die Sonne. Eine Seele, die sich der Vollkommenheit nähert, kann auch Stürme einladen, wie wir im Alten Testament lesen: Stehe auf, Nordwind, und komme, Südwind, und wehe durch meinen Garten, daß seine Würzen triefen! (Hoheslied 4, 16).
Die Weisheit Gottes weiß, daß der Wohlgeruch der Tugenden um ein Vielfaches vergrößert wird, wenn er durch die Versuchungen in Bewegung gerät. Die Versuchungen wecken die im Menschen bereits vorgegebenen Fähigkeiten und Neigungen zur Heldentat. Die Tugenden vieler Heiliger bleiben im Geheimen. Ohne äußerlichen Prüfungen unterzogen zu werden, lebten sie ihr Leben in Stille, Einsamkeit, in der Wüste. Indes wurden die Heldentaten der Neumärtyrer zu unser aller Anteil, wurden zur Belehrung und Leitschnur für unser Leben. Den göttlichen Sinn des Leidens kann man nur mit Hilfe der Gnade begreifen. Dafür tröstet der Herr Seine trauernden Jünger und uns alle, indem Er uns den Tröstergeist schickt, den Geist der Wahrheit, Welcher uns belehrt in alle Wahrheit (Jo 15, 26; 16, 13). (Predigt am Patronatsfest der Kathedralkirche in München - Erzbischof Mark)

 

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