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Kathedrale der Hll. Neumärtyrer und Bekenner Russlands in München

der Russischen Orthodoxen Kirche im Ausland

Was bedeutet das Fasten?

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«Es ist besser im asketischen Kampf zu sterben, als in der Sünde zu leben…» – Hl. Isaak der Syrer

Eine rechte Vorstellung vom Fasten zu haben, ist wichtiger als manche meinen. Insgesamt gibt es ungefähr 200 Fastentage im Jahr. Das ist mehr als die Hälfte des Jahres, und somit Fasten wir mehr als die Hälfte unseres Lebens von der Taufe an. Wenn das Fasten zu einem unabdingbaren Teil unseres Lebens geworden ist, zusammen mit all dem, was die Orthodoxe Kirche sorgsam hütet und über Jahrhunderte weitergibt, dann verändert sich unser Leben gewissermaßen von selbst. Der Mensch beginnt in einem ständigen Wunder Gottes zu leben, aber auch in einem stetigen asketischen Tun (podvig = Tat, Kampf, Auseinandersetzung).

Es ist in der Tat eine Anstrengung, eine Auseinandersetzung und ein Kampf, in der Wahrheit, in der Treue zu leben. Man kann hingegen die Augen verschließen, die Wahrheit und die Treue missachten, und schließlich - gegen den Willen Gottes - einfach so dahinleben. Das bedeutet, "in der Sünde zu leben" – den Fall und letztlich das  Darniederliegen. Das wahre Leben aber, sprich: die Tugend, ist vor Gott echt, wenn es als ein reines Opfer der Liebe gelebt wird. Das bedeutet gewiss doch, sich anzustrengen, auf den Eigenwillen zu verzichten um des Lebens in der ewigen Gemeinschaft mit Gott willen, die ja bereits jetzt beginnt, in diesem Leben.

Der Herr hat gesagt: " Tretet ein durch die enge Pforte. Denn weit und breit ist der Weg, der ins verderben führt, und viele sind es, die auf ihm hineingehen. Doch eng ist die Pforte und schmal der Weg, der ins Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden.“ (Mt 7:13-14)

Beginn des Fastens der Geburt Christi 28. November 2017 (15. November nach Altem Stil)

Das Fasten ist ein wahrlich geistliches Werk. Wenn man die heiligen Väter liest, dann wird das verständlicher – nicht nur für den Verstand, sondern vielmehr für die Seele – was während der Fastenzeit, bzw. während des Fastens, eigentlich geschieht. Die Werke der Heiligen Väter, die sich mit dem Fasten beschäftigen, bestätigen lediglich, dass in der Kirche zu allen Zeiten und bis heute alles durch den Heiligen Geist gewirkt wird. Zu allen Zeiten gab es Menschen, die das Wort Gottes hörten, es wahrhaft erhörten, den Segen Gottes folgten und so geheiligt wurden. Zu allen Zeiten war der Weg zur Freiheit von der Sünde und hin zur Heiligkeit eng mit dem Fasten und dem Gebet verbunden. In unserer Zeit ruft uns derselbe Geist, der Geist der Heiligung – der Heilige Geist, das Fasten auf uns zu nehmen. Und Er ist es, der diejenigen heiligen will, die Ihn suchen und an Ihn glauben.

Die Fastenzeiten- und regeln

"Das wahre Fasten besteht nicht allein in einer Unterjochung und Schwächung des Fleischlichen im Menschen, sondern auch darin, dass du den Teil des Brotes den du gerne selbst gegessen hättest, dem  Hungrigen gibst." – Hl. Seraphim von Sarow


Warum fasten wir? Download

Vorläufig haben wir keine Übersetzung der in russischer Sprache vorgelegten Sprüche und Reden der Väter zum Fasten. Wir wollen uns aber bemühen, mit der Zeit eine ähnliche Sammlung in deutscher Sprache zu erstellen. Was nun den Katalog der acht Laster betrifft, so verweisen wir auf den Abschnitt der Beichte im Kapitel über die Sakramente. Das erste Laster ist die Gier nach Essen und Trinken, die mit dem Leib auch die Seele verfetten lässt. Zum Fasten gehört aber auch die Abwendung von fleischlicher Begehrlichkeit (Begierde), von Habsucht und Geiz, von Zorn und Empörung von Traurigkeit und Trägheit – von Trübsinn. Nicht zuletzt soll man dem Hochmut und dem Stolz die Sanftmut und Demut entgegensetzen.

Hierzu empfehlen wir die drei Taschenbuch-Bände „Einweisung in das christliche Leben“ von Johannes Cassian, Bd. I.: Spannkraft der Seele, Bd. II.: Aufstieg der Seele, Bd. III.: Ruhe der Seele. Texte zum Nachdenken, Freiburg im Breisgau, Herder 1981-1982-1984. Aus Band I. hier kurze Auszüge (S.49-54):

"Was das Fasten betrifft, so ist es schwierig, eine allgemein gültige Regeln aufzustellen, weil nicht alle die gleiche Körperkraft besitzen und weil die Tugend des Fasten nicht, wie die übrigen Tugendkräfte, durch bloße Geisteskraft erlangt wird. Fasten hat auch körperliche Voraussetzungen, weshalb nach Art und Menge der Speisen ein unterschiedliches Fasten möglich ist. Das allen gemeinsame Ziel der Enthaltsamkeit besteht darin, dass sich keiner übersättige. Denn nicht nur die Feinschmeckerqualität der Speisen, auch ihre Menge stumpft die Kampfkraft des Herzens ab und entfacht, wenn der Geist zugleich mit dem Leib fett wird, den Zündstoff der schädlichen Leidenschaften an.

Jedes beliebige Nahrungsmittel kann auf Essen oder Trinken gierig machen. Der Geist aber kann das Steuer der Unterscheidungen nicht mehr handhaben, wenn er durch die Fülle des Magens beschwert ist. Denn nicht bloß die Berauschung mit Alkohol pflegt den Geist trunken zu machen, auch die Übersättigung mit sonstigen Speisen lässt ihn herum schwanken und zieht ihn von lauterer und reiner Kontemplation ab. Wer sich übersättigt und maßlos im Genuss von Fleisch und Wein frönt, tut das nicht aus körperlichem Bedürfnis, sondern lässt sich von seiner Begierde überwältigen. Die Bedürfnisse der menschlichen Natur stehen der Reinheit des Herzens nicht im Wege, sofern man nur das beansprucht, wessen der Leib bedarf, nicht aber, was die Begierde fordert. Selbst der körperlich Schwache besitzt den Siegerkranz der Enthaltsamkeit, wenn er zwar dem kranken Leib die nötigen Speisen gibt, sich aber trotzdem beim Essen zurückhält und sich nur das an Nahrung gönnt, was nach dem strengen Urteil der Klugheit zum Leben genügt, nicht aber was die Begehrlichkeit verlangt… unser Verlangen nach Essen und Trinken ist durch geistige strenge im Zaum zu halten, sagt doch der Apostel: "Pflegt das Fleisch nicht so, dass es lüstern wird" (Röm 13,14). Die notwendige Sorge für das Leben schließt er nicht aus, aber die der begehrlichen Lust dienende Pflege des Fleisches, die verbannt er.

Das, worauf es bei der Enthaltsamkeit hauptsächlich ankommt, kann nicht generalisierend beurteilt werden, weder von den zeitlichen Abständen der Nahrungsaufnahme noch von der Qualität der Speisen her; es richtet sich nach dem Urteil des Gewissens. Wenn auf langes Fasten vollständige Sättigung des Magens folgt, dann bewirkt Fasten eher Abschlaffung des Leibes als Kraft zu sexueller Enthaltung, hängt doch geistige Gesundheit mit dem Fasten des Leibes zusammen. Wer nicht gleichmäßig Enthaltsamkeit, kann auch keine beständige, unversehrte Keuschheit bewahren. Folgt auf überspringt das Fasten übermäßige Nachgiebigkeit, dann ist das ganze Fasten nutzlos und schlägt um ins Laster der Fresssucht. Besser ist es, täglich regelmäßig und vernünftig zu essen und zu trinken, als zeitweise lang und streng zu Fasten. Ja, übermäßiges Fasten kann nicht nur die geistige Standhaftigkeit ins Wanken bringen, sondern sogar das Gebet durch körperliche Erschlaffung lähmen.

Durch Enthaltsamkeit von Speisen allein gelangt man nicht zur Reinheit von Leib und Seele. Die übrigen Tugenden der Seele müssen mit ihr verbunden sein. Vom Wesen her sind ja alle Tugenden eins, wenn sie auch viele Arten und Namen haben, wie auch goldene Ringe und Broschen gleicherweise Gold sind. Alle Tugenden hängen zusammen, und man besitzt nicht die eine Tugend wirklich, wenn es an den anderen noch fehlt. Wie kann zum Beispiel einer die brennende glühte sexueller Begierde löschen – die Begierde welcher sowohl vom Körper die auch vom Geist her entflammt – wenn er nicht seines Zornes Herr wird, obwohl dieser lediglich aus Mangel an geistiger Selbstbeherrschung hervor bricht? Oder wie wird der nicht den sexuellen Reizen körperlich oder doch in der Phantasie erliegen, der die einfache Sünde des Stolzes nicht zu besiegen vermag? Mag eine Stadt durch noch so hohe Mauern und sichere Tore geschützt sein, durch die verräterische Öffnung selbst des kleinsten Hinterpförtchens kann sie zerstört werden.

Durch unsere Herrschaft über unser Begehren bekunden wir unsere Freiheit (vgl. 2 Petr 2, 19).

Um unsere Gier beim Essen und Trinken nieder zu kämpfen, müssen wir unseren Geist nicht nur durch Fasten sondern auch durch Nachtwachen, Meditation und nicht aufhörende Zerknirschung des Herzens sensibel und beweglich machen. Das ist unser erster Kampf, gleichsam unsere Bewährung in der ersten olympischen Disziplin, dass wir die Gier von Gaumen und Bauch durch unsere Sehnsucht nach Vollkommenheit überwinden. Niemals werden wir nämlich im Stande sein, das Vergnügen an irdischen Speisen hintanzusetzen, wenn nicht der in göttliche Kontemplation versunkene Geist mehr an der Liebe zu den Tugenden und der Schönheit des himmlischen seine Freunde findet. Man wird alles Irdische, das doch so flüchtig und vergänglich ist, gering schätzen, wenn man auf das Unwandelbare und Ewige den geistigen Blick geheftet hat und, obwohl noch ein Mensch von Fleisch und Blut, die Glückseligkeit der künftigen Heimat durch ein beschauliches Herz schon genießt.

Ist jemand der Begierden seines Bauches und der Lust seines Gaumens Herr geworden, so dass er nicht mehr als Sklave seines Fleisches und mit dem Zeichen des Lasters gebrandmarkt erscheint, so wird man ihn auch größerer Kämpfe für würdig erachten. Hat sich jemand dort als tapfer erwiesen, so wird man ihm nunmehr zutrauen, zu geistlichen Kämpfen auf höherer Ebene fähig zu sein.

Feinde von außen brauchen wir nicht zu fürchten, der eigentliche Feind sitzt in uns selbst. Glauben wir ja nicht, dass die Enthaltung von handgreiflicher Speise allein zur vollendeten Reinheit von Herz und Leib ausreiche. Mit dem Fasten des Leibes muss das Fasten des Geistes verbunden sein. Denn auch der Geist hat seine schädlichen Speisen, und ist er durch diese fett geworden, dann kugelt er, auch ohne Überfluss an körperlichen Speisen, in den Abgrund der Üppigkeit. Fettmachende Speisen des Geistes sind:  1) Zerstreuung (sehr angenehm zu essen!), 2) Zorn (bereitet für Augenblicke eine höchst verhängnisvolle Befriedigung), 3) Neid und Eifersucht (das sind vergiftende Säfte), 4) eitle Ruhmsucht (ist eine Zeit lang ein ergötzlicher Genuss, macht aber auf die Dauer arm und fruchtlos). Jede Neugier und alles unstete Umherschweifen des Geistes füttert die Seele mit Schadstoffen. Wenn wir uns, soviel an uns liegt, dieser Speisen durch ein besonders geheiligtes Fasten enthalten, werden wir mit Nutzen und sogar mühelos das körperliche Fasten beobachten können. Denn nicht so sehr das verwesliche Fleisch als vielmehr ein reines Herz wird zur Wohnung Gottes und zum Tempel des Heiligen Geistes. Vornehmlich der innere Mensch muss sich rein halten für Gott, damit er Christus als Gast in sich aufzunehmen verdiene, mahnt doch der Apostel:  "Durch Seinen Geist möget Ihr machtvoll erstarken im inneren Menschen, dass Christus in euren Herzen wohne durch den Glauben" (Eph 3,16-17).

Weiters im Russischen:

Собранные изречения из творений святых отцов, таких как Епископ Игнатий (Брянчанинов), Святитель Василий Великий, Преподобный авва Дорофей, Святитель Иоанн Златоуст, Преподобный авва Исаия, Святитель Григорий Палама, Авва Евагрий, Епископ Феофан Затворник, Преподобный Серафим Саровский, Преподобный Макарий Египетский, Преподобный Иоанн Кассиан Римлянин, Преподобный Ефрем Сирин, Преподобный Пимен Великий, Блаженный Диадох, Святитель Григорий Нисский, Преподобный Марк, из книг Древний Патерик, Отечник и Лавсаик, а также духовных писателей - наших современников, предложены по темам.

Весь раздел о посте.
Внешние условия и начало поста.
Здоровье души и тела и пост.
Прохождение поста и мера. Плоды и дары поста.
Пост и Церковь. Против поста.
Пост и молитва.
Пост душевный, не только воздержание от пищи.
Пост чувств.
Старцы и подвижники - примеры воздержания и добродетели поста.

Желающим получить от чтения большую пользу:

Перед началом чтения спроси себя:
- что значит для меня пост? - Чем отличается в моей жизни день постный от не постного?

Прочитав одно изречение поищи в себе:
- Отзывается прочитанное согласием, непониманием или неприниманием? - Почему?

Изречения о мыслях, чувствах и действиях:
- Что мешает мне также, как святые думать и поступать? - Хочу я меняться?

Прочитав один раздел подумай:
- В каком отношении изменилось или подтвердилось мое отношение к посту?

Каждый постный день спрашивай себя:
- Какая страсть сегодня (в последнее время) мне мешает?

(такое чтение потребует времени, потому благоприятно браться за это во время продолжительных постов,
но и в любое время это полезно)

Невозможно разом охватить все добродетели и сразу исполнять их в совершенстве, также невозможно вмиг освободиться от пристрастий и греховных навыков. Время поста помогает на этом пути. Потому каждый постный день - он и новый, и интересный, и радостный, и освобождающий, хотя возникают и трудности, преодолевать которые мы призваны и так возрастать. Кто правильно понимает и принимает пост, тот со временем, видя от него огромную пользу, делает его нормой своей жизни. Те же "удовольствия", от которых было немыслимо когда-то отказаться либо перестают иметь свое обольстительное действие, либо получают в жизни законное место.

Постепенность, равномерность, неотступность - эти качества известны всем, кто хотел достичь цели, и в духовной жизни необходимы эти качества. Но главное - это цель и малые цели, которые ведут к основной. Рассказывали об одном старце:...каждый год он полагал начало одной какой-нибудь добродетели, говоря: в этот год я не буду есть вареного, или не буду ..., или ... Так приступал он к каждому делу: оканчивая одно, принимался за другое, - и это делал каждый год. Определить цели и меру поста, учитывая сложившуюся ситуацию помогает духовный отец.

Главное действие поста - покаяние. Покаяние - основа изменения образа мыслей и жизни. С покаянным чувством мы приходим в Церковь и приступаем к таинству Исповеди. Освободившись от греховного груза, в надежде на обновленную жизнь принимаем Тело и Кровь Христовы в Причастии, получаем наставление от священника и возвращаемся в повседневную жизнь. Мир вокруг нас не знает, что мы уже другие, Христовы, Божии.

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