
Taufpaten: Säuglinge und Kinder können nur dann getauft werden, wenn es christliche Erzieher gibt, die dem Kind den Glauben vermitteln, denn die Geistliche Geburt soll ja nicht mit dem Tod des Geistes enden, sondern zu einem Leben im Geiste führen. Ohne den Glauben aber –und d.h. auch ohne die Treue zum Wort Gottes – würde die eigene Taufe oder die Taufe eines fremden Kindes, so "auf die leichte Schulter genommen" zum eigenen Schaden, sei es auch nur aus purem Leichtsinn zur Gotteslästerung. Bei der Taufe geht es um Tod und Auferstehung - die wichtigsten Dimensionen unseres Lebens, und entsprechend sollte auch die Einstellung dem Sakrament gegenüber sein. Es geht hier keineswegs um "irgendein Ritual", sondern um unser eigenes geistliches Leben.
Nach der Lehre der Kirche werden die Eltern im letzten Gericht vor Gott Antwort geben dafür, wie sie ihre Kinder erzogen haben. Daher ist die christliche Erziehung der Kinder auch eine Frage des Seelenheils der Eltern. Die Eltern sollen ihr Kind so früh wie möglich taufen, und von da an mit dem Kind regelmäßig in die Kirche kommen. Es ist eine Besonderheit der Orthodoxie unter den christlichen Konfessionen, dass bereits die Säuglinge an der Heiligen Kommunion teilnehmen – das deshalb, weil sie als vollgültige Personen vor Gott angesehen werden. Kleinkinder sind offen für Gott und das Heilige, und es gibt keinerlei Grund, sie aus dem Lebensvollzug der Kirche auszuschließen. Christus sagte: "lasst die Kinder zu mir kommen" (Lukas 15, 15-17). Die kindliche Lebenserfahrung ist eine Grundlage für das gesamte Leben. Und die Gegenwart im Gotteshaus vermittelt die Atmosphäre des Heiligtums. Auf die Fragen, die unbedingt kommen, sollen die Eltern Antworten geben. Die Eltern sollen auch für ihre Kinder beten und mit ihren Kindern beten, ihnen die Gottesverehrung und die Grundlagen des Glaubens in ihre offenen Herzen legen.
Die Sache der Erwachsenen ist es, mit der ganzen Seele, den Wertungen und der eigenen Lebensweise dem Kind die christliche Weltsicht, dass Gottesempfinden und die dem entsprechende seelische Einstellung zu übermitteln. Daher ist es für die Erwachsenen (sowohl die Eltern als auch die Taufpaten) notwendig, dass sie sich vorbereiten, zu dem Gespräch mit dem Priester kommen – auch zu dem vor dem Kreuz und dem Evangelium, das Beichte (siehe: Sakramente) heißt, und dann möglichst bald darauf, bei der nächsten Liturgie, wenn das Kind die Kommunion empfängt, ebenfalls aus dem Kelch Christi die Heiligen Gaben empfangen.
Taufpaten: Ein(e) Taufpate/-in ist keineswegs einfach eine "nette Person", ein "lieber Mensch", "unser bester Freund, unsere beste Freundin". Taufpaten sind Menschen, denen die Kirche nicht fremd ist, die in der Kirche nicht Fremde sind, sondern integriert. Sie sollen ja zu dieser Integration beitragen. Und in der Tat, das ist heute deshalb ein Problem, weil es zu wenige solcher Menschen gibt. nun gut, was noch nicht ist kann ja werden...
Heißt es aber: "wir wollen keine Fremden als Taufpaten", dann bedeutet das eher: dieses "wir" ist der Kirche noch fremd. Die Taufpaten bürgen für das Leben des Kindes in der Kirche und für seinen Glauben mit ihrem eigenen Gebet und Glauben. Daher können die Taufpaten nicht einen anderen Glauben vertreten. Muslime könnten ja nicht für den Glauben eines Juden sich verbürgen, selbst wenn der Islam beansprucht, den wahren Glauben des Noah des Abraham und des Moses zu vertreten. Wie sollten Katholiken für den Protestantismus eines Protestanten sich verbürgen, oder ein Protestant für den wahren Katholizismus des Katholiken? Bei einer orthodoxen Taufe bekennt sich der Taufpate zum orthodoxen Glauben, indem er das unveränderte Glaubensbekenntnis der Kirche liest (das katholische wie das evangelische Glaubensbekenntnis ist ein verändertes). Ein orthodoxer Taufpate muss entsprechend selbst orthodox getauft sein.
Die Verantwortung, die die Eltern und die Taufpaten bei der Taufe eines Kindes übernehmen, kann und soll ein Fortschritt in ihrem eigenen Glauben sein. Die Taufpaten wie die Eltern können und sollen in ihrem Glauben wachsen. Sie sollen spätestens von nun an zur Heiligen Kommunion kommen und die Kinder zu diesem Sakrament bringen, sie mit sieben Jahren zur Beichte führen. Eltern und Taufpaten sind erwachsene Bezugspersonen für das Kind – deshalb respektieren Sie die Einzigartigkeit der Person des Kindes, und wachsen selbst dadurch in der Erkenntnis Gottes.
Die Taufe ist kein magischer Akt, mit dem irgendwelche Erwartungen irdischen Glücks und der Gesundheit verbunden sind. Die Taufe eröffnet den Weg zum ewigen Leben im Guten. Christus sagt: "Niemand ist gut als Gott allein" (Lukas 18, 18-19). Durch die Taufe wählen wir das Königreich des Guten und des Lichtes, weshalb sie auch Erleuchtung heißt (griechisch: Photismos). Wenn Gott, der da sprach "es werde Licht", daraufhin das Licht von der Finsternis trennte, so ist dies auch die Aufgabe des Christen, der an den Werken Gottes in dieser Welt teilnimmt, indem er Böses vom Guten unterscheidet und das Gute wählt.
Deshalb ist es auch so wichtig, das Sakrament der Taufe zu ehren und klar zu erkennen, dass hier über alles Irdische hinaus die ewige Wahrheit durch Christus Selbst vollzogen wird, dem dieses Taufwasser eigen ist, angeeignet wird durch die der Taufe vorangehende Wasserweihe. Hier ist Neuschöpfung in Christus und eine neue Perspektive des Lebens über jeglichen Tod hinaus – der Sieg Christi über den Tod, der Auferstehung heißt. Ob Kind oder Erwachsener – hineingeboren in die Auferstehung mit dem Herrn sollen wir dementsprechend unser Leben gestalten und weiter führen in der lebendigen Gemeinschaft mit dem Heiland.